Rein VoIP und noch Bedarf für Analog!?

Wer kennt das nicht, das neue TK-System ist auf IP Telefonie ausgelegt und doch taucht "plötzlich" noch Bedarf für ein oder zwei analoge Geräte auf, sei es Telefon, Türstation oder Faxgerät.
Und wie es dann auch so sein muss, gibt es an der gewünschten Position der Geräte zwar Netzwerkzugang, aber ansonsten keine analogtaugliche Zuleitung!

Guter Rat ist in diesem Fall wirklich nicht teuer!

Nachfolgend eine kurze Beschreibung zur Inbetriebnahme des IP/Analog Wandlers CISCO SPA 112 an einem AGFEO ES-Kommunikationssystems oder der AGFEO HyperVoice.

Allgemeines

Grundsätzlich gilt, dass der CISCO SPA 112 wie ein normales SIP Telefon an einem AGFEO Kommunikationssystem betrieben wird.

Als Analogadapter stellt er auf der Ausgangsseite 2 analoge Ports für Telefone oder z.B. auch Faxgeräte, Türstationen etc. zur Verfügung. Diese sollten – vor allen Dingen, wenn ein Faxgerät angeschlossen werden soll – konfigurationsseitig minimal angepasst werden.

Schritt 1

Nehmt den Adapter in Betrieb (Stromversorgung via Netzteil, LAN Anschluss) und meldet Euch auf diesem via Webkonfiguration an. Ist das lokale Netzwerk mit einem DHCP-Server versehen, erhält der Adapter automatisch eine dynamische IP-Adresse und bei korrekter Namensauflösung kann der Zugriff über die Browser-URL http://spa112 erfolgen.

Standardzugangsdaten sind Username „admin“ und Passwort „admin".

VoIP zu Analog Adapter Einrichtung Cisco SPA112 LogIn

Bitte prüft, ob die Firmware des SPA 112 auf dem aktuellen Stand ist! Aktuell verfügbar (16.09.2019) ist die Firmwareversion 1.4.1SR4. Sollte die Version des SPA 112 kleiner sein, bitte erst ein Update vornehmen.
Der eigentliche Firmwareupload (die BIN-Datei innerhalb des ZIP-Archivs von CISCO) erfolgt über die Konfigurationsseite "Administration / Firmware Upgrade". “Datei auswählen”, BIN-Datei auswählen, Upgrade anklicken. Nach einem Re-Boot steht der Adapter mit der aktuellen Firmware zur Verfügung.

Schritt 2

Auf der Konfigurationsseite “Quick Setup” werden nun im SPA 112 die SIP-Zugangsdaten für das AGFEO Kommunikationssystem eingetragen (nachfolgend Beispieldaten):

Line 1

Proxy: < IP Adresse des AGFEO TK-Systems >
Display Name: < 711 >
User ID: < 711 >
Password: < individuelles Passwort >

Line 2

Proxy: < IP Adresse des AGFEO ES Systems >
Display Name: < 712 >
User ID: < 712 >
Password: < individuelles Passwort>

Der Eintrag "Dial Plan" sollte für beide Linien (nach unseren Erfahrungen beim Einsatz an bisherigen AGFEO Systemen) folgendermassen aussehen:
(*xx|[3469]11|0|00|[2-9]xxxxxx|1xxx[2-9]xxxxxxS0|xxxxxxxxxxxx.)

VoIP zu Analog Cisco SPA 112 QuickSetup Einrichtung

Eingaben bestätigen über den Button "Submit"!

Schritt 3

Öffnet nun die Konfiguration des relevanten AGFEO Kommunikationssystems, wechselt in das Menü /Hardware/Geräteeinstellungen und tragt bei den Voreintragungen für den Benutzer 711 und 712 das jeweils vergebene Passwort ein. Dateneingabe "Übernehmen"! Der SPA 112 wird sich nun mit beiden Lines im AGFEO System anmelden.

VoIP zu Analog Konfiguration AGFEO Geraeteeinstellungen

Wie üblich müssen nun noch in der "Benutzerverwaltung" des Systems neue Benutzer angelegt und diesen die neuen SIP Intern Geräte zugewiesen werden (die Vergabe von eindeutigen Namen in der Geräteverwaltung hilft bei der Identifikation).

VoIP zu Analog Konfiguration AGFEO Benutzerverwaltung
Ab diesem Zeitpunkt werden die beiden Lines des SPA 112 wie jedes andere SIP Telefon im AGFEO Kommunikationssystem behandelt. Passt noch unter "Benutzer/Benutzer-Einstellungen“ die benötigten Parameter und unter „Rufverteilung/Rufe von Extern“ die Erreichbarkeit nach Euren Wünschen/Voragben an und es ist vollbracht.

Optimierungen

Wahltimer einstellen
Wählt nun ein am Cisco angeschlossenes analoges Endgerät und es passiert vermeintlich "nichts", dann kann es daran liegen, dass das Cisco SPA eine längere Zeit auf weitere evtl. noch gewählte Ziffern wartet. Die vom Cisco wartende Zeit kann man über die Optionen Interdigit Long Timer und Interdigit short Timer anpassen (ggf.einfach beides auf eine kürzere Zeit stellen). Oder man ergänzt am Ende einer Anwahl manuell die "#", damit die Wahl umgehend abgesetzt wird.

Einstellungen und Optimierungen für Faxgeräte
Die Faxtechnologie ist ein älteres Verfahren und benötigt eine stets sehr saubere und gleichmäßige, unkomprimierte Übertragung. Diese Faktoren sind in ip-basierten Netzen nicht mehr durchgängig umsetzbar, weshalb es durchaus heute nicht ungewohnt ist, wenn Faxübertragungen abbrechen, zerstümmelt oder unlesbar werden! Bedenkt auch, dass Euer Provider eine stets sichere Faxübertragung auch kurzer Dokumente nicht garantiert.

Insofern müßt Ihr mit Faxproblemen in IP Netzen rechnen!

  • Korrekte Faxeinstellungen am Faxgerät
    Schnelle Übertragungsraten führen zu einer Potenzierung von Risiken, die schnell zu einem Abbruch oder schlechtere Qualität der Faxübertragung führen. Schaut in den Einstellungen des Faxgerätes nach und aktiviert dort eine evtl. vorhandene "VoIP-Anschluss" oder "Übersee-Leitung" Einstellung. Auch solltet Ihr die max. Übertragungsrate des Faxes auf 9600 baud oder gar weniger reduzieren. Manchmal hilft es auch, wenn die Fehlerkorrektur (ECM) am Fax aus- bzw. eingeschaltet wird.

  • Das richtige Fax-Protkoll verwenden
    Abhilfe aller solcher Probleme sollte eigentlich das T.38 Protokoll geben. Die Praxis zeigt aber, dass dies leider kein echtes Allheilmittel ist. T.38 muss nämlich durchgängig auf der gesamten Strecke von Euch und Euren Provider bis hin zum Zielprovider und Zielanschluss unterstützt werden. Wenn man nun berücksichtigt, dass nicht jeder Provider oder Anschluss überhaupt T.38 verwendet, wird schnell klar, warum T.38 nicht immer hift. Nur in der Theorie bietet T.38 also eine gesichertere Möglichkeit Faxe zu übertragen. Zudem gibt es noch mehrere unterschiedliche "T.38 Dialekte", die dazu führen können, dass eine Faxübertragung mittels T.38 sogar schlechter funktionieren kann, als mittels G.711.

Überlegt also, ob Ihr die Faxdaten lieber im unkomprimierten Sprechweg mittels des Audiocodec G.711 übertragen wollt oder ob Ihr mit T.38 auf dieses Spezialprotokoll für Faxen in der IP-Welt umstellen wollt. Im Zweifel hilft nur jeweils ausprobieren bzw. umstellen, was jetzt gerade besser geht.

  • Optimierung der Audioübertragung
    Setzt im Cisco SPA in dem Menü Voice bei der zu dem von Euch verwendeten Port passenden Line den Network Jitter Level auf die Einstellung very high und das Jitter Buffer Adjustment auf den Wert no und vergesst auch nicht die Änderungen zu übernehmen. Dies bewirkt, dass die in einem IP-Netzwerk auftretenden Laufzeitschwankungen reduziert werden und dem Fax-Gerät somit gleichmäßigere Faxdaten übergeben werden.

  • Ausschliesslich G.711 für Faxübertragungen zulassen
    Sollten trotz obiger Anpassungen weiterhin Probleme mit einer Faxübertragung zu beobachten sein, schaltet im Cisco SPA T.38 aus und aktiviert dafür nur G.711 als einzigen Audiocodec:
    ATA-Anschaltung_Fax-Einstellungen_G.711-Cisco-SPA112

Abschließende Anmerkungen

Analoge Telefon Adapter (ATA) wie das Cisco SPA 112 bieten somit die Möglichkeit auch ältere Geräte weiterhin in IP basierten SIP Umgebungen zu nutzen. Es ist aber zu beachten, dass wir den Betrieb von Fremdgeräten nicht supporten können. Ebenfalls können wir einen sicheren Betrieb oder gar eine sichere Faxübertragung - genau wie der Provider - nicht garantieren. Dieser TechBlog Beitrag stellt somit keine Produktempfehlung dar. Neben Cisco gibt es weitere Hersteller (u.a. Grandstream, Patton etc.), die ähnliche Produkte anbieten. Ebenfalls gibt es solche Geräte nicht nur mit 2 Ports, sondern auch mit einer höheren Portanzahl. AGFEO ist bestrebt eine möglichst weitgehende Kompatibilität herzustellen, kann dieses jedoch aus technischen Gründen nicht oder auch nicht vollständig gewährleisten. Die Nutzung solcher Geräte obliegt somit immer dem eigenen Verantwortungsbereich.

Bei Problemen mit den jeweiligen Geräten, wendet Euch bitte an den jeweiligen Hersteller-Support.

AGFEO Hybrid-Systeme als Alternative

Agfeo,als Spezialist moderner Telekommunikationslösungen, verfügt über ein besonders breites Produktspektrum. Neben reinen IP bzw. SoftPBX-Systemen bieten wir mit den Geräten der "ES"-Serie Alternativen mit direkt im TK-System eingebauten analogen Ports. Solche ATA-Adapter wie Cisco SPA 112 sind dann natürlich nicht notwendig.

Wie immer gilt zudem:
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